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WB INSIDER – Zwischen Preisexplosion und Ressourcenknappheit: Was die Unternehmen jetzt brauchen

© Foto: Wirtschaftsbund Niederösterreich/Marschik

WB INSIDER – Zwischen Preisexplosion und Ressourcenknappheit: Was die Unternehmen jetzt brauchen

Der Wirtschaftsbund NÖ diskutierte mit WIFO-Direktor Gabriel Felbermayr und Spartenobfrau für Transport und Verkehr in der WKNÖ Beate Färber-Venz über die derzeitigen Herausforderungen für die Betriebe durch die hohe Inflation und Ressourcenengpässe sowie über notwendige Gegenmaßnahmen, die jetzt für die Wirtschaft getroffen werden müssen.

Die enormen Preissteigerungen und -schwankungen und eine Ressourcenknappheit im Güter- und Rohstoffbereich sowie bei den Arbeitskräften beschäftigen die Wirtschaftstreibenden in Österreich und das über alle Branchen hinweg. Im Rahmen einer neuen WB Insider Ausgabe gab WIFO-Chef Gabriel Felbermayr wichtige Insights in die aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen. Herausfordernd für die Unternehmerinnen und Unternehmer sei derzeit vor allem die weiterhin bestehende Unsicherheit, ob im Herbst ausreichend Gas zur Verfügung stehen wird und zu welchem Preis: „Die Sicherheit, eine bestimmte Menge an Gas zu einem bereits jetzt bekannten oder feststellbaren Preis zu bekommen, gibt es nicht. Diese große Unsicherheit wird bleiben, solange Russlands Präsident Wladimir Putin die Gasmengen nach Belieben kontrollieren kann. Das Einzige, was wir in Österreich aktuell tun können ist, dass wir die Speicher anfüllen, sodass mit entsprechend hohen Speicherständen im Rücken die Preisvolatilität kleiner wird“, sagt WIFO-Direktor Gabriel Felbermayr im Rahmen der Podiumsdiskussion. Österreich würde laut Felbermayr aktuell noch besser dastehen als Deutschland: „Deutschland ist noch abhängiger von russischem Gas als Österreich, obwohl der Prozentanteil am Energiemix kleiner ist, denn Deutschland braucht sehr viel Gas für die Stromproduktion. Und an der Stromproduktion und der Verfügbarkeit von Elektrizität hängt noch viel mehr, sodass der Schaden bei einer Mangellage für Deutschland ungleich größer wäre.“ Würde es zu einer Gasmangellage kommen, rechne WIFO-Chef Gabriel Felbermayr heuer noch mit einer Rezession von 1,6 Prozent, im nächsten Jahr mit einem Einbruch von mindestens 4-6 Prozent. Um dagegen anzukämpfen, sieht Felbermayr vor allem auf europäischer Ebene Handlungsmöglichkeiten: „Was wir in Europa tun könnten wäre, dass wir gemeinsam Gas einkaufen und den Gaspreis deckeln. Wenn man sich zusammentut, ein Nachfragekartell bildet und das gut macht, den Preis gut auskalibriert, dann könnte man die Preisstabilität erhöhen. Wir könnten dann sagen, wir zahlen nicht mehr als 100 oder 80 Euro für die Megawattstunde, aber wenn du nicht verkaufen willst, dann bitte lass es,“ so Felbermayr. Am Ende würden wir so weniger für das Gas zahlen und es würde vor allem weiter Gas fließen.

„Was wir in Europa tun könnten wäre, dass wir gemeinsam Gas einkaufen und den Gaspreis deckeln.“

WIFO-Direktor Gabriel felbermayr

„Wir sind jetzt an einem Punkt angelangt, wo für die Unternehmen der Blick in die Zukunft sehr schwer ist, sogar wenn es nur um 1-2 Tage der Vorausschau geht. Eine Kalkulation abzugeben, ist für die Unternehmen zurzeit fast nicht mehr machbar, da sie oftmals nur mehr wenige Tage für Preise garantieren können und auch nicht wissen, ob ausreichend Rohstoffe zur Verfügung stehen, um einen Auftrag überhaupt umsetzen zu können“, geht auch WBNÖ Landesobmann WKNÖ Präsident Wolfgang Ecker auf die derzeitigen Herausforderungen für die Unternehmen ein. Die Unterstützungsleistungen, die ausgezahlt werden, seien im Wesentlichen gut. Wichtig sei dabei immer, dass diese gezielt seien und nicht mit der Gießkanne ausgeschüttet würden. Klar sei aber auch, dass mit den Unterstützungsmaßnahmen die Ursache des Problems nicht gelöst werde. Für die Zukunft brauche es laut Ecker vor allem Technologieoffenheit: „Wir müssen bei den Technologien offen werden und dürfen nicht der Idee hinterherlaufen, dass nur eine Technologie die einzig richtige wäre.“

Eine Branche, die mit den derzeitigen Herausforderungen in Folge des Ukraine-Krieges besonders zu kämpfen hat, ist die Sparte Transport und Verkehr. „Wir haben in unserer Branche zwischen Ende Juni letzten Jahres und Ende Juni diesen Jahres eine Preissteigerung bei Diesel von 70 Prozent erlebt. Das bedeutet, dass die Kosten pro gefahrenen Kilometer um 15-20 Prozent gestiegen sind. Was wir uns wünschen würden, wäre Sicherheit, Planbarkeit und natürlich ein Ende des Konflikts“, sagt Spartenobfrau für Transport und Verkehr in der WKNÖ Beate Färber-Venz. In Hinblick auf den Einsatz von Wasserstoff im Verkehrsbereich sei Färber-Venz zwar eine Verfechterin, sehe aber derzeit nicht den richtigen Zeitpunkt dafür. „Der Dieselmotor ist mit einer hohen Energiedichte und einer guten Ausbeute technologisch sehr ausgereift. Ich frage mich, ob jetzt der richtige Zeitpunkt ist, um uns mit einem Energieträger wie Wasserstoff zu beschäftigen, der noch eine mehrfache Transformation braucht und bei dem wir daher noch eine wesentlich geringere Ausbeute erzielen“, betont Spartenobfau Färber-Venz.

WBNÖ Direktor Harald Servus erläutert im Rahmen der Diskussionsrunde, dass die Politik klare Signale setzen müsse, um die Risiken für die Wirtschaft zukünftig besser abzufedern: „Man muss sehr stark zwischen kurzfristigen und langfristigen Maßnahmen unterscheiden. Die Politik sollte ernsthaft auf die Agenda nehmen, welche Maßnahmen gesetzt werden müssen, damit wir in Europa langfristig resilienter werden und diese Abhängigkeiten verringern.“ Kurzfristig brauche es gezielte Unterstützungsleistungen zum Ausgleich der enormen Preissteigerungen und im Bereich des Klimaschutzes eine pragmatische Herangehensweise, wie das beispielsweise mit der Verschiebung der CO2-Bepreisung gelungen sei. Die aktuelle Ausgangslage im Energiebereich sei äußerst besorgniserregend: „Der Strompreis hat sich innerhalb von eineinhalb Jahren de facto vervierfacht. Gas liegt nun in etwa bei 180 Euro pro Megawattstunde, vor 3-4 Jahren lag der Preis bei 15-18 Euro pro MWh, hier reden wir von einer Verzehnfachung. Es ist klar, dass die Energieversorger das nicht in Gleitverträgen ‚schlucken‘ können, sondern die Preise entsprechend anpassen müssen“, zeigt Servus auf. Der WBNÖ Direktor spricht sich in dem Zusammenhang für eine Evaluierung der Sanktionspolitik gegen Russland aus: „Wir sollten uns anschauen, ob die Sanktionen gegen Russland tatsächlich treffsicher sind und damit auch neue Verhandlungsspielräume eröffnen,“ so Servus. Er habe derzeit nicht den Eindruck, dass die Sanktionen ein Ende des Konfliktes näher gebracht hätten.

Abschließend besteht Einigkeit darüber, dass konkrete Strategien für die kommenden Monate notwendig seien. „Es braucht einen Masterplan, denn am Ende müssen wir bei der Mangellage, die wir haben, ein Angebot schaffen und Schleusen für Investitionen in den Umbau in der Wirtschaft öffnen“, appelliert Felbermayr an die Politik.

Bildtext: v. l. WBNÖ Landesobmann WKNÖ Präsident Wolfgang Ecker, Kurier Chronik-Ressortchef Martin Gebhart, WIFO Direktor Gabriel Felbermayr, Spartenobfrau für Transport und Verkehr in der WKNÖ Beate Färber-Venz und WBNÖ Direktor Harald Servus beim WB Insider Online-Talk zum Thema Inflation und Ressourcenknappheit in St. Pölten.

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